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Leserbeiträge

- Das Leben als Linkshänder -


Tipp: Wer mit anderen über das Thema Linkshändigkeit diskutieren möchte,
dem sei das zwischenzeitlich gegründete Linkshänderforum empfohlen.

Am 18.05.2000 schrieb M.K.:

Ich bin ganz begeistert von dieser Linkshänderseite. Mein Sohn Jens (7) ist auch Linkshänder und kommt im Großen und Ganzen gut zurecht.

Jetzt habe ich mir bezüglich der Schreibhaltung (Jens ist im 1. Schuljahr) große Gedanken gemacht, weil der Füller im nächsten Jahr zum Einsatz kommt. Aus verschiedener Fachliteratur bekam ich den Hinweis auf diverse Schreibhilfen (Schreibunterlage, Haltung der Hand, Grippys u.a.) und ging in eine Buchhandlung, um die Schreibunterlage zu bestellen. Dort war man sehr erstaunt, dass es so etwas gibt und bestellte die Unterlage ganz unverbindlich für mich zum Ansehen.

Mit der Inhaberin des Buchhandels überlegte ich mir, Jens den Füller jetzt schon zu kaufen, damit er Zuhause vorab etwas üben kann. Hoch motiviert entschloss ich mich, in einem Schreibwarenhandel vor Ort die Füller für Linkshänder anzusehen. Dort schaute man mich an als hätte ich nicht alle Tassen im Schrank: "Das vergessen Sie mal gleich, ein linkshändiges Kind schmiert immer und auch wenn Sie meinen, Sie könnten schon mal vorab üben, wird das Kind immer wieder über das Geschriebene wischen. Das gibt es gar nicht anders. Und bringen Sie das nächste mal das Kind mit, dann werden Sie schon sehen."
Darauf verließ ich den Laden, ohne auch nur einen Füller angesehen zu haben und entschloss mich, in diesem Laden keine Produkte mehr zu kaufen. Einen Füller kaufe ich jetzt woanders und ich denke, wir kriegen das schon hin.


Am 13.04.00 schrieb Elke:

Hallo an alle, die auch alles mit dem "schönen" Händchen tun!
Ich habe mich sehr gefreut, so eine super Internet-Seite über die wahren Genies im Leben zu finden: die Linkshänder.
Ich habe eine Restaurant-Fachausbildung, und alle Dinge im klassischen Service sind mit der rechten Hand auszuführen. Hat schon mal ein Rechtshänder versucht, gebutterte Nudeln mit der linken Hand einem anspruchsvollen Gourmet auf den Teller zu legen, ohne sie ihm auf den Schoß flutschen zu lassen? Wahrscheinlich nicht.

Mein kleiner Neffe (5) stellt sich so langsam als Linkshänder heraus, und schon heißt es: Kannst Du ihm mal die Schleife linksherum beibringen (Anmerkung: Siehe auch Rubrik " Kinder & Lehrer ") ...oder ein Bild zu malen, ohne alles zu verschmieren o.ä.

Liebe Linkshänder, viele Grüße an Euch alle! Und weiterhin viel Spaß beim Anders-als-alle-anderen-sein...


Am 28.03.00 schrieb Gabi Meiners:

Meinen Sohn (4) konnte ich bereits im 2. Lebensjahr als Linkshänder sicher identifizieren und entsprechend unterstützen. Ich freue mich, jetzt noch mehr Details über spezielle Werkzeuge etc. und Hilfsmöglichkeiten gefunden zu haben. Er wird diesen Sommer eingeschult und ich werde die Infos an die Schule weitergeben - und mich nach geeigneten Musiklehrern umsehen!

Er fragte mich übrigens schon vor zwei Jahren beim Besuch eines Rechtsanwalts: "und was, bitte, ist ein Linksanwalt?" Nun weiß ich's! Werde ihm morgen mal berichten...


Am 26.03.00 schrieb Martin Schmidt , Herausgeber der „ linken Bass-Saite “:

Ein Vater schrieb mir, sein 12-jähriger Sohn wollte gern E-Gitarre spielen. Weil er Linkshänder ist und eine Gitarre auch instinktiv wie ein Linkshänder hält, kauften die Eltern ihm eine LH-Gitarre. Der Gitarren-Lehrer erklärte den Eltern jedoch, dass eine Linkshändergitarre seiner Meinung nach überhaupt nicht notwendig sei, im Gegenteil, eine Rechtshändergitarre wäre sogar die absolut bessere Wahl. Damit waren sie natürlich verunsichert.

Als ich vor 20 Jahren Gitarre spielen lernte hatte niemand ein Problem damit, dass ich das Instrument "verkehrt herum" hielt. Ich weiß auch, dass viele berühmte Gitarristen und Bassisten Linkshänder sind aber rechtsherum spielen, z. B. Sting, David Bowie und Bob Dylan. Ganz "gewiefte" Zeitgenossen spielen auch linksherum, ohne die Saiten umzuspannen, wie Oliver Werner (Beitrag vom 02.05.99) oder Wolf Maahn.

Meine Meinung ist, dass Linkshänder so Gitarre spielen sollten, wie sie SELBST möchten, egal, welche Hand sie für welche Tätigkeit verwenden. Es ist nur schade, dass Linkshändigkeit heute noch in Frage gestellt wird und mit Umschulungsversuchen sanktioniert wird.


Am 12.03.00 schrieb Jutta Georgine aus Ulm:

Ich bin überzeugte, militante Linkshänderin und wünsche allen (-: ern viel Selbstbewusstsein, denn so geht es am leichtesten.
Zum Beispiel am Esstisch: da baue ich immer die Anordnung in mehreren Schritten und ganz dezent für mich um. Einige Kellner in Lokalen, die ich öfter besuche, wissen das sogar schon und decken gleich richtig ein. Sind die Gedecke für mehrere Personen sehr eng gestellt, dann suche ich mir einen Platz, an dem der linke Arm frei ist. Oder - wenn möglich - neben einem humorvollen Nachbarn, egal ob Rechts- oder Linkshänder. Das kann dann auch ganz lustig sein.


Am 09.03.00 schrieb Pascal Sadler:

Ich bin ein nicht umgeschulter linkshändiger Grundschullehrer aus Luxemburg. Ich bin durch Schülereltern auf diese Seite gestoßen und habe mich sehr darüber gefreut. Die Seite ist informativ aufgebaut. In meinem Klassenzimmer passe ich z.B. auf, wie Kinder in der Gruppe zusammen sitzen (störende Ellbogen, Licht-Schatten-Verhältnisse etc.). Um den Kindern, rechts- oder linkshändig, das Schreiben (Bewegungen, Handhaltung, Griff) beizubringen, gab es bis jetzt noch keine Schwierigkeiten (Erleichterung durch grobmotorisches Schreiben an der Tafel bis hin zur Feinmotorik im Heft, über andere psychomotorische Übungen). Meine eigene Schreibhaltung ist nicht verkrampft, einige linkshändige Schüler/innen zeigen diese und bleiben leider hartnäckig dabei.


Am 02.03.00 schrieb Petra Baumann:

Unser Sohn Felix wurde im Kindergarten von einer linkshändigen Erzieherin als Linkshänder erkannt. Sofort haben wir ihm Linkshändermaterial (Schere, Lineal, Spitzer, etc.) besorgt. Doch plötzlich, nach seiner Einschulung, begann er gewisse Dinge mit rechts zu machen, z.B. mit der Schere auszuschneiden. Beim Malen wechselte er gar die Hände ab. Auch Tennis wollte er lieber rechts spielen. Wir fragten uns, ob wir unbewusst einen Rechtshänder zum Linkshänder umschulten. Der Kinderarzt schickte uns mit unserem Problem zum Ergotherapeuten. Der testete Felix auf alle möglichen Defizite und konnte zum Glück nichts feststellen. Im Abschlussgespräch fragte ich ihn, ob Felix denn nun Links- oder Rechtshänder wäre (denn das war ja unsere eigentliche Frage). Darauf sagte er: " Ach so, ja das testen wir jetzt mal kurz." Er holte ein Blatt mit einem Nachspurtest und ließ Felix den Test auf Zeit ausführen. Die Übung mit der linken Hand war deutlich sauberer und mit der linken Hand war er auch schneller. "Es ist alles in Ordnung. Er ist wirklich Linkshänder", dachte ich. Doch dann kam die Überraschung. Der Ergotherapeut sagte: "Felix ist Rechtshänder!" Die Erklärung war ungefähr so: Da Felix’ linke Hand diese Übung nicht so gut machen könne, gäbe er sich mit links unbewusst mehr Mühe (???). Deshalb gehe die Übung mit links schneller und besser. Diese Aussage richtete ich gegen alles, was ich zum Thema gelesen hatte.
Kurz und gut, daraufhin haben wir unserem Jüngsten ein ganzes Jahr zugesehen, wie er manche Dinge mit rechts machte und manche mit links. Beim Schreiben haben wir ihn gebeten bei der linken Hand zu bleiben, obwohl wir manchmal nicht sicher waren, ob es die richtige Hand für ihn ist.
Heute ist alles anders, denn ich hatte auf der „deutschen Linkshänderseite“ die Expertenliste entdeckt!
Schnell war ein Termin mit Frau Faust in Lauffen a.N. ausgemacht. Sie hat Felix ca. 1 1/2 Stunden getestet und mich nebenbei über seine Entwicklung befragt. Auch familiäre Umstände in Bezug auf Linkshändigkeit wurden miteinbezogen. Selbst Betrachtungen über seine Psyche blieben nicht unbeachtet. Das Ergebnis ist eindeutig: Felix ist ein Linkshänder, der auch mit der rechten Hand nicht ungeschickt ist. Im Gespräch wurde mir erklärt, dass er nicht nur aufgrund der Tests Linkshänder ist, sonder auch aufgrund seiner Wesensart. Unser Sohn ist sozusagen ein "typischer" Linkshänder. Zusätzlich gab Frau Faust mir noch Literaturhinweise, damit wir als rechtshändiger "Rest der Familie" unseren Felix besser verstehen können.
Wir sind sehr dankbar, denn nun wissen wir, wie wir unseren Kleinen in Zukunft unterstützen können. Und alles nur, weil wir auf der richtigen Internetseite die richtige Adresse gefunden haben.


Am 25.02.00 schrieb Higgies:

Ich bin doch sehr erstaunt, dass noch heute Linkshänder umgeschult werden und anderen Diskriminierungen ausgesetzt sind. Linkshänder sind doch keine schlechteren Menschen oder in irgendeiner Form behindert!
Glücklicherweise bin ich solchen Problemen weder in der Schule noch anderswo ausgesetzt gewesen. Sicherlich - der eine oder andere Scherz kommt schon mal vor, beispielsweise wenn ich versuche, eine Schraube ein- oder auszudrehen . Denn - geht Ihnen das auch so? - wenn ich sie festdrehen will, löse ich sie und wenn ich die Schraube rausdrehen will, drehe ich sie meist noch fester ein. Das gleiche gilt für Glühbirnen . Aber uns Linkshänder zeichnet ja die Flexibilität aus, mit der wir uns den alltäglichen Problemen stellen!
Ärgerlich finde ich dennoch manche Bemerkungen, wie: "...für einen Linkshänder haben Sie aber eine saubere Handschrift!" Nun ja - auch Rechtshänder haben Krakelhandschriften.
Ein großes Problem habe ich jedoch, was meine 4 Jahre alte, schreibbegeisterte Tochter anbelangt: sie ist nämlich Rechtshänderin. Wenn ich ihr Worte vorschreiben soll, habe ich da natürlich meine Schwierigkeiten. Ich halte den Stift anders, lege das Blatt Papier schräg vor mich hin und beginne die Buchstaben ganz anders. Auch bei vielen anderen Dingen, die ich ihr zeige, muss ich dann einen Rechtshänder spielen und das gelingt mir mehr schlecht als recht. Aber - ich arbeite daran...


Am 03.02.2000 schrieb Edith:

Auch ich bin Linkshänder. Jetzt inzwischen 31 Jahre lang. Ich musste laut lachen, als ich meine Probleme in euren Berichten beschrieben sah. Eine Umerziehung schlug bei mir fehl. Ich hasse Stricken und dergleichen. Auch ich verwische nasse Tinte auf dem Papier. Meine Handhaltung ist ebenfalls die verkrampfte Hakenhaltung. Die Suppe esse ich auch mit der linken Hand. In der Kantine stoße ich dabei manchmal mit dem Arm meines Tischnachbarn zusammen. Wenn ich mich lange konzentrieren musste, dann mache ich plötzlich alles seitenverkehrt. Aber ich stehe über diesen Nachwirkungen. Ich bin auch gerne anders. Es hilft, den Grund des Andersseins zu erkennen. In meinem Berufsalltag falle ich angenehm aus der Reihe. Denn ich gehe Sachen von einer anderen Seite an, an die vorher noch keiner gedacht hat. Ich bin ein stolzer Linkshänder, und hoffe, dass nicht mehr allzu viele Kinder deshalb diskriminiert werden.


Am 25.01.2000 schrieb Livia Schilling :

Hallo ihr lieben Linkshänder und alle die sich nur informieren!

Eigentlich bin ich ein glücklicher und nie diskriminierter Linkshänder. Allerdings erlernte ich vor 17 Jahren eine völlig verkorkste Schreibhaltung , unter der ich heute noch zu leiden habe:
Ich kann nur unter großen Anstrengungen längere Texte schreiben (ich musste sogar mal eine Prüfung abbrechen, weil mir der Arm wahnsinnig verkrampfte) und durch diese Haltung habe ich mir eine starke Skoliose (Rückgratverkrümmung) zugezogen.
Wer hat Erfahrung mit solchen Geschichten gemacht und weiß, wie ich dagegen ankämpfen kann?
Hat jemand es geschafft, seine Schreibhaltung nach so vielen Jahren zu korrigieren, ohne seine schöne Handschrift und Schreibgeschwindigkeit endgültig zu verlieren?
Liebe Eltern von linkshändigen Kindern:
Bitte achtet pingelig darauf, dass eure Kleinen den Stift von unten zum Schreiben benutzen. Die Hand soll unter den zu beschreibenden Linien liegen und das Blatt ist nach rechts geneigt - nur so ist es möglich, den Rücken gerade zu halten! Schaut euch eure Kinder schreibend im Spiegel an und überlegt, ob dies eine gesunde Rechtshänderhaltung wäre. Es gibt auch Literatur und Tipps von Experten - lasst es bitte nicht zu, dass die Kinder auch einen so krummen Rücken bekommen. Ich bin 24 Jahre alt und darf vermutlich den Rest meines Lebens gegen meine Skoliose kämpfen - ich mache niemandem einen Vorwurf, weil ich eher froh sein kann, dass ich überhaupt links schreiben durfte, aber heute sollten es Eltern und Pädagogen besser wissen!
Zum Email-Erfahrungsaustausch könnt ihr euch gerne bei mir melden.


Am 10.01.00 schrieb Markus aus Hamburg:

Ich bin 30 Jahre alt. Und als ich zur Schule ging, hatte ich eine Lehrerin, die schon meinen Vater unterrichtete. Sie stand also kurz vor dem Rentenalter. Als Sie mich schlug, weil ich nicht mit rechts schreiben lernen wollte, packte ich als 6jähriger Knirps meine Schulsachen zusammen, verließ umgehend die Schule und ging die 5 km zu Fuß nach Hause zurück, weil kein Bus fuhr. Ich erzählte meinen Eltern, ich ginge erst wieder in die Schule, wenn ich mit "meiner Hand" schreiben dürfte. Ich durfte. Ich kann mir trotzdem nur schwer die alten Zeiten vorstellen, wo es Lehrern noch erlaubt war, Schülern mit solchen erzieherischen Maßnahmen das Rechtsschreiben beizubringen. Ich konnte ja sehen, wie beschwerlich es für ein Nachbarskind war, mit rechts schreiben zu lernen, obwohl sie Linkshänderin war. Das Ergebnis war eine fast unleserliche Klaue.

Ich kann mich auch erinnern, als ich mir einst zum Geburtstag Haushaltsartikel für die Aussteuer wünschte, kaufte meine rechtshändige Schwester wie selbstverständlich alles Linkshänderartikel. Sie begründete das damit, dass es mir das Leben wohl leichter machen würde. Seitdem kann ich Konservendosen ohne Probleme öffnen, was mir wahrlich vorher nicht gelang. (-: Ich genieße es auch, Dinge zu zerschneiden, ohne dass mir die Hand dabei schmerzt. Um ehrlich zu sein, ich wäre wohl nie auf die Idee gekommen, Linkshänderartikel zu kaufen. Dafür ziehe ich vor meiner Schwester den Hut, weil sie so viel Einfühlungsvermögen bewiesen hat.



Am 10.01.00 schrieb Anja Kemper:

Also, ich bin ja ganz hingerissen, was Leute "meiner Art" so alles erleben. Ich finde mich in tausend Kleinigkeiten wieder. Auch ich schreibe mit rechts, was ich aber eher einem Missverständnis zu "verdanken" habe. In der ersten Klasse bat meine Lehrerin: "Nun hebt doch bitte alle mal die Hand hoch, mit der MAN schreibt." Clever, wie ich war, wusste ich ja, dass MAN mit rechts schreibt und habe auch brav die Rechte erhoben. Ein anderes Mädchen in der Klasse war auch Linkshänderin und hob ihre Linke. Danach habe ich mich nicht mehr getraut anzumerken: "Aber ich schreibe auch mit links!" Druckschrift konnte ich bereits schreiben und so habe ich dann mehr oder weniger freiwillig die Schreibschrift mit rechts erlernt.
Eigentlich bin ich ganz froh, denn so kam ich meinen Tischnachbarn nicht ins Gehege und hatte keinen Stress mit wem auch immer. Ansonsten verwende ich nur Scheren mit rechts, weil die dann einfach besser funktionieren. Probleme hat mir das meines Wissens nie bereitet, aber vielleicht liegt es hieran, dass ich eher zu der ungeschickten Sorte Mensch gehöre. Schönes Gefühl, eine Entschuldigung dafür zu haben. Mittlerweile kann ich Schrauben richtig herum drehen, kann einen Herd sofort einschalten, das Besteck normgerecht decken (wenn ich auch meine Suppe mit links löffle) und eine Rechtshändermaus mit links bedienen. Was ich allerdings bis heute nicht gelernt habe: Auf welche Seite gehört die Wange beim Begrüßungsküsschen ? Ständig stoße ich mit den Menschen zusammen und das ist schon ganz schön unangenehm! Liebe Grüße an alle, die das nachfühlen können.



Am 11.06.99 schrieb Konrad G., 14 Jahre, Schüler aus Hessen:

Ich habe eigentlich ganz gute Erfahrungen mit der linken Hand gemacht. Sicher, heute wird man nicht mehr zum Rechtshandschreiben gezwungen, aber trotzdem scheinen manche Leute so ihre Probleme zu haben. Wenn ich mit links schreibe oder zeichne, ist mein Gegenüber meist nur überrascht, aber nicht im negativen Sinne. Auch beim Fußball ist das ganz praktisch. Wie viele Links-Außen-Stürmer werden wohl mit mir um einen Stammplatz kämpfen?
Bis auf das Verwischen der Schrift mit Tinte finde ich mein Leben als radikale Minderheit eigentlich ganz schön. Es gibt mir das Gefühl, was Besonderes zu sein. Meine "umgepolte" Mutter (sie hat weder Konzentrationsschwächen noch irgendwelche Hirnfehler.....glaube ich) ärgere ich immer, indem ich sie Verräterin oder so ähnlich nenne. Dabei weiß ich, dass alle LH's, die früher zum Rechtsschreiben gezwungen wurden, einfach "arme Schweine" waren.



Am 08.06.99 schrieb Barbara aus Weinheim:

Toll, dass es diese Seite gibt, und damit das Gefühl, nicht allein zu sein.
Auch ich bin zum Rechts-Schreiben gezwungen worden, habe das aber mit Erreichen der Pubertät dann dauerhaft verweigert - das war in den Sechzigern. Noch heute fürchtet meine Mutter um meine Unversehrtheit, wenn ich eine Scheibe Brot mit der linken Hand abschneide, was nur ein Aspekt des Vorurteils ist, dass man als Linkshänder besonders ungeschickt sei.
Ganz nebenbei: ich war einige Male in Israel und habe mit Begeisterung festgestellt, dass es dort von Linkshändern nur so wimmelt. Kein Mensch guckt blöd, wenn man mit links zu Feder greift, im Gegenteil: Hebräisch wird ja von rechts nach links geschrieben, da ist man echt im Vorteil als Linkshänder.



Am 07.06.99 schrieb Jutta Dahlmann:

Ich bin jetzt 36 Jahre alt. Bis heute will sich keiner von mir einen Weg beschreiben lassen, weil ich mindestens einmal links und rechts verwechsle . Und richtig gut verstehe ich mich eigentlich nur mit meinem fünfjährigen Sohn (der auch LH ist).
Andere Kinder schauen mich an, als hätte ich gerade einen unsittlichen Antrag gemacht, wenn ich versuche Ihnen in ihre Jacken zu helfen oder ihnen die Zahnbürste in die "falsche" Hand reiche. Seit einem Jahr habe ich endlich eine wirklich "bestechende" Eselsbrücke zum Tischdecken gefunden. Mit dem Messer sticht man sich nicht ins Herz, also lege es rechts. Der dann verbleibende freie Platz kann dann nur noch für die Gabel vorgesehen sein. Es klappt!! Mit den Löffeln, Gläsern und Salatschüsseln dauert es wohl noch eine Weile. Aber bei guter Gesundheit hab ich ja noch mal so viel Zeit.



Am 02.05.99 schrieb Oliver Werner :

Auch ich bin zum Rechtsschreiben gezwungen worden, aber beim Gitarrespielen habe ich meinen Kopf durchgesetzt und bin Linkshänder geblieben. Dabei benutze ich ausschließlich Gitarren mit der Saitenlage der "Rechten", was mir in Musikerkreisen einige Verwunderung einbrachte. Der Vorteil liegt auf der (linken) Hand: Man braucht nicht immer seine eigene Gitarre mitschleppen, um andere Leute zu unterhalten. Und vom Klang her tut sich auch nicht viel. Mich würde interessieren, ob es andere solcher Gitarrenspieler gibt, damit ich Erfahrungen und Spielweisen austauschen kann. Oliver Werner, Email oliver.werner@online.de.



Am 10.04.99 schrieb Rüdiger Naß:

Ich bin selbst Linkshänder und habe eine linkshändige Tochter (5 J.). Mir sind also die Probleme der "Linken" in der Perspektive von gestern (vor 30 Jahren) und heute bekannt. Leider hat sich wenig geändert . Dass es Linkshänderscheren zu kaufen gibt und die Kinder nicht mehr mit Gewalt umerzogen werden, ist der einzige "Fortschritt". Meine Erfahrungen:
In meiner Freizeit werke ich viel mit Holz. Die dabei zur Anwendung kommenden Maschinen führten in der Vergangenheit immer wieder zu Verletzungen, die in meinem Freundeskreis dann für Erheiterung sorgten. Der "Notaus-Schalter" der Kreissäge ist unerreichbar, wenn ein Finger an der linken Hand fast abgesägt wurde, weil der Winkelanschlag auf der "falschen Seite ist". Die "Dauer-An" Schalter an Bohrmaschinen, Stichsägen und an der Flex rasten immer dann ein, wenn man fest zupackt. Ergebnis: Die Maschine geht nicht aus, wenn man loslässt, weil etwas passiert ist.
Und dann die ach so aufgeklärten Eltern. Sie machen "alles", um ihre Kinder zu fördern, Linkshänder sollen nicht benachteiligt werden (Linkshänderschere, Füller, Dosenöffner). "Aber warum lernt unser Kind nicht Stricken oder kann keine Freundschaftsbändchen knüpfen? Das Kind ist ja so ungeschickt." Kein Witz, habe ich im Bekanntenkreis erlebt!! Die Eltern haben einfach nicht darüber nachgedacht, dass sie ihrem Kind alles verkehrt herum gezeigt haben...

Ich glaube nicht, dass Linkshänder besser oder schlechter sind, aber ich kämpfe täglich mit einer Welt, die mich manchmal wahnsinnig macht, manchmal dem Spott anderer aussetzt ("Du musst die Schraube andersherum drehen! Boa, bist du blöd.") und hin und wieder auch gewinnen lässt. Ich komme in einer Welt klar, die nicht für mich gemacht ist, und ich komme gut klar. Und ich denke jedes Mal, wenn ich an einem rechten Gegenstand oder an einem "rechten Verhalten" fast verzweifele: Rudi, du bist etwas Besonderes, etwas anders als die anderen, aber etwas Besonderes!!!
Eigentlich wollte ich nur ein paar Zeilen schreiben, ist aber nun etwas mehr geworden, und ich könnte noch hundert Zeilen weiter schreiben über Lehrer, Ausbilder, Altnazis ("so was hätte es damals nicht gegeben"), Elektrogeräte usw.



Am 22.03.99 schrieb Andrea:

Ich war in der Schule in einer Jazz-Tanz Gruppe und ich liebe Tanzen.
Trotzdem war ich immer schlecht und frustriert, so sehr, dass ich bald nicht mehr mitgemacht habe. Bis zum Modetanz "Macarena" vor einigen Jahren hat es gedauert, bis mir aufging, dass ich nicht zu doof bin, um mit anderen in der Gruppe zu tanzen, sondern, dass ich einfach immer mit dem "falschen" Fuß anfange, weil für mich die linke Seite dominant ist. Seitdem geht es mit dem Tanzen zwar auch nicht besser, aber ich weis wenigstens, woran es liegt. Wann gibt's Tanzgruppen für Linksfüßer??



Am 17.03.99 schrieb Michael Wimmer aus Linz, Österreich:

Mit den meisten Problemen in unserer Rechtshandgesellschaft, die auf der Seite angesprochen werden, habe ich auch so meine Erfahrungen gesammelt.
Am meisten störte mich in der Grundschule das ständige Aufeinanderprallen der Ellbogen beim Melden. Dieses Problem konnte meist ganz schnell behoben werden, indem ich mich einfach ganz nach links gesetzt habe (Außerdem konnte man da viel besser aus dem Fenster schauen, wenn der Unterricht mal wieder langweilig war). Ansonsten komme ich recht gut mit den anderen "Problemen" zurecht.
Allerdings hatte ich große Schwierigkeiten, wenn es darum ging während meines Grundwehrdienstes mit der Waffe zu zielen. Diese waren für Rechtshänder gebaut. Es gibt zwar eine Option, die Öffnung für den Munitionsauswurf auf die andere Seite zu verlegen, nur waren die Verantwortlichen in meiner Kaserne anscheinend zu blöd, faul oder ignorant, um mir die Waffe umzustellen. Es hätte auch "komisch" ausgesehen, wenn einer beim Marschieren die Waffe um die andere Schulter getragen hätte. Hätte ich mit dem linken Auge visieren können, wären meine Ergebnisse bei den Schießübungen sicher besser ausgefallen. Ich weiß, ein eher ungewöhnliches Problem, nichtsdestotrotz ein Problem.


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Letzte Bearbeitung: 24.03.2003


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