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Umschulung der Händigkeit


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Überblick: Umschulung der Händigkeit - Folgen und Hilfestellung für Betroffene

Die Umschulung der Händigkeit, insbesondere das Schreiben mit der nicht dominanten Hand, verändert die natürlichen Arbeitsabläufe innerhalb des Gehirns.

Wenn ein Linkshänder mit seiner nicht dominanten rechten Hand schreiben muss, kommt es zu Kompetenzschwierigkeiten zwischen den beiden Gehirnhälften, denn so darf die starke, eigentlich reagieren wollende Gehirnhälfte nicht aktiv werden, da die schwächere und dafür nicht vorgesehene andere Gehirnhälfte nun den komplizierten Schreibprozess steuern muss.

Dies führt nicht nur zu einer Vervielfachung und Komplizierung des erforderlichen Arbeitsaufwandes des Gehirns, sondern kann auch eine Vielzahl von weiteren Konsequenzen nach sich ziehen.

Die Primärfolgen können sein: Gedächtnisprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten, Ungeschicklichkeit, häufig Legasthenie oder Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten, feinmotorische Störungen, die sich beispielsweise in einer schlechten Schrift niederschlagen, Raum-Lage-Labilität (Verwechseln von links und rechts), oft auch Sprachprobleme, bis hin zum Stottern .


Dem können sich eine Reihe von Sekundärfolgen anschließen, die aus den Primärfolgen heraus entstehen:

Minderwertigkeitskomplexe, Unsicherheitsgefühle, Rückzugstendenzen, Labilität im Umgang mit anderen Menschen sowie bei Leistungsanforderungen und Prüfungen, oft unregelmäßige Schulleistungen, schnelle Ermüdbarkeit, psychosomatische und neurotische Störungen wie z.B. Bettnässen, Nägelkauen, Schlafstörungen, Tics; es gibt jedoch keine typische psychosomatische Krankheit und keine charakteristische Neurose, die vornehmlich umgeschulte Linkshänder befällt ( Sattler, 1995).


Umgeschulte Linkshänder weisen im Vergleich zu nicht umgeschulten Linkshändern, ebenso wie zu Rechtshändern, offenbar eine höhere neurotische Tendenz, starke affektive Störanfälligkeit und sensomotorische Anpassungsschwierigkeiten auf (Lugmayr, 1981).

Bei allen angeführten Primär- und Sekundärfolgen muss bedacht werden, dass diese nicht das zwangsläufige und alleinige Ergebnis einer Umschulung sein müssen und auch viele andere Ursachen haben können!

Betont werden soll unbedingt auch die Tatsache, dass durch eine Umschulung die Intelligenz des betreffenden Menschen in keiner Weise vermindert wird.

Im übrigen muss angemerkt werden, dass die geschilderte Problematik genauso bei der Umschulung eines Rechtshänders auf die linke Hand auftreten kann, welche z.B. nach einem Unfall oder Schlaganfall erforderlich werden könnte.

Hilfreich und empfehlenswert ist für die Betroffenen, wenn die beschriebenen Umschulungsfolgen als Resultate dieses Eingriffs erkannt und nicht länger, wie es oft der Fall ist, die Ursachen in mangelnder Intelligenz oder eigener Unzulänglichkeit vermutet werden.

Ein fester Lebensrhythmus mit ausreichend Raum für Entspannung hilft u.a., dem erhöhten Leistungsaufwand des Gehirns und der daraus resultierenden Überforderung und schnellerer Ermüdbarkeit Rechnung zu tragen.

Allein durch diese Erkenntnis und Maßnahmen kann es bei vielen umgeschulten Linkshändern bereits zu Besserungen der Primär- und insbesondere der Sekundärfolgen kommen.

Auch eine Aufarbeitung der Problematik mit Hilfe eines Psychotherapeuten kann die Besserung fördern. Leider ist es jedoch wohl nicht möglich, die Umschulungsfolgen insgesamt aufzuheben.


Das absolute Standardwerk zum Thema Umschulung, dem die obigen Ausführungen größtenteils entnommen sind, ist das Buch von Frau Dr. Sattler: Der umgeschulte Linkshänder [ hier versandkostenfrei zu bestellen ].

Es sei jedem Interessierten aller-wärmstens empfohlen!


Hier finden Sie ergänzende Einzelfallberichte über die möglichen Folgen der Nichtbenutzung der dominanten Hand bei verschiedenen Tätigkeiten


Betroffene aller Altersgruppen können ggf. versuchen, sich wieder auf die dominante Hand zurückzuschulen.

Nähere Ausführungen hierzu als Abdrücke von Artikeln von Frau Dr. J. B. Sattler finden sich auf den folgenden Seiten " Rückschulung 1 " und " Rückschulung 2 ". 

In der Rubrik " Rückschulung 3 " finden sich abschließend  praktische Tipps zur Rückschulung für Erwachsene von Dipl.-Biol. Sylvia Weber .



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Letzte Bearbeitung: 14.03.2004



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