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Unterstützung des linkshändigen Kindes

-Tipps für Eltern, Erzieher und Lehrer-

    Entwicklung und Bestimmung der Händigkeit
"Umschulung" der Händigkeit vs. empfehlenswerte Erziehungsprinzipien
Tipps für rechtshändige Eltern linkshändiger Kinder oder "wie zeig ich's meinem Kinde"
Empfehlenswerte Gebrauchsartikel für Linkshänder
Lehrpläne im Fach Deutsch für Grundschüler in der Bundesrepublik Deutschland
Waldorfpädagogik und Linkshändigkeit
Schreibenlernen


Entwicklung und Bestimmung der Händigkeit

Beim Menschen wird meistens im Alter von 1 bis 2 Jahren die recht konstante Bevorzugung einer Hand offenbar (Sattler, 1999c). Wer sein Kind intensiv beobachtet, kann eventuell schon ab etwa 6 Monaten die Präferenz einer Seite bemerken. Wenn die Händigkeitsentwicklung nicht durch äußerliche Faktoren wie Erziehung ("tu es doch lieber ins schöne Händchen") oder durch Krankheiten/Verletzungen gestört wird, ist die Händigkeit im allgemeinen im dritten, spätestens jedoch bis zum 6. Lebensjahr festgelegt.

Kinder, die noch nach dem 4. Lebensjahr einen häufig wechselnden Handgebrauch zeigen und solche, deren Händigkeit nicht vor Schuleintritt klar ersichtlich ist, sollten unbedingt einem Experten zur Feststellung der Händigkeit vorgestellt werden, damit die richtige Schreibhand bestimmt werden kann.

Wer sich für verschiedene Testverfahren interessiert oder die Händigkeit seines Kindes orientierend bestimmen möchte, findet Informationen dazu in der Rubrik Spezielles .
 

"Umschulung" der Händigkeit

Die Händigkeit eines Menschen ist angeboren (Hardyck & Petrinovich, 1977; Sattler, 1992; Meyer, 1997), wenn auch bislang noch nicht geklärt werden konnte, welche Mechanismen diese Entwicklung bestimmen. Es ist aber eindeutig belegt, dass sich die generelle Seitigkeit des Menschen nicht ändern lässt, wenn es auch möglich ist, durch Manipulation und Zwang die Benutzung einer Hand für bestimmte Tätigkeiten, wie beispielsweise das Schreiben, zu erreichen (Sattler, 1993 a).
Dies stellt aber immer einen riskanten
Eingriff dar, eine Art Vergewaltigung des Gehirns, dem zufolge es zu tiefgreifenden psychischen und physischen Störungen kommen kann (Sattler, 1985; Sattler, 1986; Sattler, 1995).

Merke: Aus einem linkshändigen Kind kann kein Rechtshänder gemacht werden, auch wenn man es mit rechts schreiben lehrt oder bei anderen Tätigkeiten auf die Benutzung der rechten Hand besteht. Die Händigkeit des Menschen ist und bleibt durch die Dominanz einer Hirnhälfte festgelegt!

Zur Ehrenrettung von Eltern und Pädagogen muss angemerkt werden, dass diese ja "nur das Beste" für ein Kind wollen. Eine Umerziehung kann aber nachgewiesenermaßen schwere Folgen haben!

Es ist unwahr, dass es Linkshänder "einfacher" haben, wenn sie mit rechts schreiben, Linksschreibende immer langsamer schreiben oder zwangsläufig eine schlechtere Schrift haben als Rechtshänder. Dies ist viel eher meistens die Folge mangelnder oder falscher Anleitung und Unterstützung beim Erlernen des Schreibens ! Schlechte Schrift kann sowohl bei Links- wie auch bei Rechtshändern auftreten, die Ursachen können vielfältig sein und sind nicht primär in der Händigkeit begründet.

Erziehungsprinzipien

Empfohlen sei allen Eltern und Erziehern, schon von Anfang an eine Wertung der Benutzung einer bestimmten Hand zu unterlassen ( kein "schönes Händchen"!) und das Kind bei der Ausführung von Tätigkeiten die Hand stets selbst wählen zu lassen (Spielzeug nicht in eine bestimmte Hand geben, sondern in die Mitte legen oder reichen!). Bei der Auswahl von Spielzeug und Gebrauchsartikeln sollte nach Möglichkeit stets auf beiderseitige Verwendbarkeit der Gegenstände geachtet werden, um die freie Handwahl bei deren Benutzung zu ermöglichen.


Bei Tisch

Daher möchte ich dringend von diesen so beliebten Baby-Schräglöffeln zum Essenlernen abraten, da die herkömmliche Variante ausschließlich den rechtshändigen Gebrauch gestattet. So bleibt dem Kind einfach keine Wahl! Beim Tischdecken hat es sich für Babys und Kleinkinder bewährt, den Löffel einfach mittig, mit dem Griff zum Kind hin auf dem Teller zu platzieren. Wenn die Händigkeit deutlich ersichtlich ist, sollte für Linkshänder spiegelbildlich gedeckt werden. Da alle Eltern bestrebt sind, gute Tischmanieren zu lehren und manche immer noch meinen, linkshändiges Hantieren gehöre sich nicht:
Es ist nicht nur ein, eigentlich selbstverständlicher, Akt der Höflichkeit, Linkshänder linkshändig essen zu lassen, sondern heute endlich auch nach "Knigge" (!) (Wolf, 1992) die empfohlene Vorgehensweise eines JEDEN aufmerksamen Gastgebers. Am besten platzieren Sie Ihre linkshändigen Gäste vor Kopf oder links außen am Tisch und schon hat jeder ausreichend Bewegungsspielraum: Kollisionen mit rechtshändigen Essern werden vermieden. 

Heute gibt es erfreulicherweise eine Menge Tipps und Literatur darüber, was Eltern tun können, um ihr Kind bestmöglich zu unterstützen und in seiner Entwicklung zu fördern. Leider fehlen in fast allen Erziehungsratgebern Hinweise zur Händigkeitsentwicklung und -feststellung. Nur selten wird diese Thematik überhaupt angesprochen, noch seltener findet man Warnungen vor Umschulungen oder gar Aufklärung über die zahlreichen negativen Folgen dieses Vorgehens. Deswegen sei an dieser Stelle nachdrücklich betont:

Linkshänder haben es nicht zwangsläufig schwieriger im Leben. Linkshändigkeit ist eine gleichwertige Variante der Händigkeit und weder ein Makel noch eine Behinderung!

Sie können die Händigkeit ihres Kindes nicht ändern, sie ist im Gehirn festgeschrieben und meist vererbt. Aus einem Linkshänder kann man daher, durch welche Maßnahmen auch immer, niemals einen Rechtshänder machen. Sie können Ihr linkshändiges Kind durch Umschulung allenfalls zu einem dadurch (!) ungeschickten und gehandikapten Linkshänder machen, der mit rechts niemals die Geschicklichkeit und Fertigkeit haben wird, die mit seiner dominanten linken Hand möglich wäre.

Eine Umschulung ist stets das Gegenteil einer Förderung, egal wie leicht und schnell sie gelingt!

Es ist erwiesen, dass sich intelligente und ehrgeizige Kinder, besonders Mädchen, leichter und schneller "umschulen" lassen, oft sogar selbst umschulen, weil sie nicht anders als ihre Freunde sein oder irgendwie auffallen wollen (Sattler, 1995). Aufmerksame Eltern sollten ihr Kind daher beim Ausleben und Akzeptieren seiner angeborenen Händigkeit unbedingt unterstützen und dafür sorgen, dass das Kind seine dominante Hand, insbesondere zum Schreiben, benutzt und benutzen darf.

Falls Sie Ihr linkshändiges Kind bereits umgeschult haben, natürlich mit den besten Absichten und ohne sich damals der negativen Auswirkungen dieses Tuns bewusst gewesen zu sein, machen Sie sich keine Vorwürfe!
Versuchen Sie ab jetzt, ihr linkshändiges Kind nach Kräften zu unterstützen und damit in seiner gesunden Entwicklung fördern, indem sie ihm linkshändiges Agieren gestatten und dieses durch linkshandgerechte Gebrauchsgegenstände erleichtern. Lassen Sie sich ggf. von einem Experten beraten, ob eine Rückschulung sinnvoll sein könnte (Sattler, 1986; Sattler, 1987 b; Sattler, 1995) und zwingen Sie Ihr Kind nun keinesfalls, stets und für alle Tätigkeiten die linke Hand zu benutzen. Auch ein Linkshänder, der bislang durch Zwang, Anpassung oder in Ermangelung eines Linkshandartikels für manche Tätigkeiten die rechte Hand benutzt, kann nicht von heute auf morgen lernen, dafür nun doch seine linke Hand zu benutzen. Er wird bei diesen Tätigkeiten anfangs meist nicht nur ungeschickter, weil ungeübt, mit seiner linken Hand sein, sondern auch langsamer und muss die Handlung erst neu lernen. Erst wenn dieses bewältigt ist, wird er diese Tätigkeit wahrscheinlich natürlicher, schneller und geschickter als mit seiner rechten Hand erledigen können.

Informationen über Umschulungsfolgen und Möglichkeiten, diese zu mildern bzw. eine Rückschulung auf die dominante Hand vorzunehmen, finden sich in der Rubrik Umschulung und Rückschulung der Händigkeit.
 
 

Tipps für rechtshändige Eltern linkshändiger Kinder oder

"wie zeig ich's meinem Kinde"

Schuhe schnüren, Handarbeiten, Krawatte binden

Viele rechtshändige Eltern fragen sich, wie sie ihrem linkshändigen Kind diese und andere alltägliche Tätigkeiten demonstrieren sollen, die sie selbst ja rechtshändig ausführen.

Es hat sich bewährt, wenn man sich dazu einfach dem Kind gegenüber setzt bzw. stellt, so dass es die Bewegungen spiegelbildlich sehen und imitieren kann.

Verweisen möchte ich hierzu auch auf meine Rubrik Tipps für Linkshänder .

Norbert Martin hat eine bebilderte Anleitung zum Schuhebinden für Linkshänder ins Web gestellt.
 

Wo ist rechts, wo ist links?

Wenn man seinem Kind die Seitenbezeichnungen beibringen möchte, hat es sich sowohl bei rechts- wie linkshändigen Kindern sehr bewährt, rechts und links nicht gleichzeitig bzw. direkt hintereinander zu demonstrieren.

So lässt sich das, den Lernvorgang behindernde, Phänomen der Ähnlichkeitshemmung vermeiden, welches auftritt, wenn die Lernstoffe zweier aufeinander folgender Lernprozesse inhaltlich ähnlich sind.

Bringen Sie dem Kind links und rechts also möglichst nicht am selben Tag bei, immer nur eine Seitenbezeichnung auf einmal.

Mit Vorsicht zu genießen sind Merksprüche wie: "Rechts ist die Schreibhand", solange man sich nicht sicher ist, dass das Kind wirklich rechtshändig ist. Sofern vorhanden, könnte man ein natürliches Merkmal nutzen: "Die rechte Hand ist die mit dem Muttermal darauf".

Übrigens formen Daumen und Zeigefinger der linken Hand, wenn diese mit dem Handrücken nach vorne ausgestreckt, der Zeigefinger gestreckt und der Daumen abgespreizt wird, ein großes "L" für "links". Achtung: Dieser Kniff kann jedoch bei Kindern, die dazu neigen, Buchstaben spiegelbildlich zu verkehren, leider "nach hinten" losgehen!

Häufig fällt es linkshändigen Kindern etwas schwerer, links und rechts verbal zu unterscheiden, da in unserem Sprachgebrauch rechts so häufig für "richtig", "aktiv" im Sinne von agierend, gebraucht wird, denn bei ihnen ist ja umgekehrt dazu die linke Hand "agierend", "richtig". Das ist aber kein Grund zur Besorgnis und gibt sich bald, man gewöhnt sich als Linkshänder langfristig einfach daran, dass man für sich diese Bezeichnungen umdenken muss.

Schwieriger haben es hier sehr häufig umgeschulte Linkshänder. Umschulung kann zu einer ausgeprägten und häufig dauerhaften Rechts-Links-Schwäche (Raum-Lage-Labilität) führen! Die Betroffenen können dann, vor allem in Situationen, in denen schnell gehandelt werden muss, nicht adäquat reagieren.
Beispiel Fahrschule. Der Fahrlehrer sagt plötzlich: "Jetzt sofort rechts ab!", dann fährt der/die Umgeschulte, vor allem unter Stress wie durch diese kurzfristige Aufforderung, regelmäßig links ab!
Hier ist es besser, die Richtung nicht (nur) auszusprechen, sondern (auch) zu zeigen. Typischerweise können die Betroffenen auch selbst Richtungen treffsicherer zeigen als verbal bezeichnen.
 

Empfehlenswerte Gebrauchsartikel für Linkshänder

Da die nachfolgend genannten Artikel normalerweise allein für den rechtshändigen Gebrauch konstruiert werden, sollte man entsprechende linkshändige Varianten folgender Gegenstände besorgen. Leider sind diese meist nicht im normalen Handel zu bekommen (siehe jedoch Geschäfte und Versandhandel).
    Scheren (am besten gleich eine für Zuhause und eine für die Schule/den Kindergarten!)
    Füllfederhalter
    Lineal, eventuell Messband (beides mit einer Skalierung von rechts nach links)
    Anspitzer
    Dosenöffner
    Kartoffelschäler
    Messer (Brotmesser, eventuell Schweizer Taschenmesser)




Es empfiehlt sich, im Fachhandel für Linkshänder möglichst umfangreiche Kataloge einzusehen, denn als Rechtshänder hat man ja meist keine Erfahrung, wie viele Gebrauchsgegenstände für den Gebrauch mit der linken Hand völlig ungeeignet sind. So lassen sich viele Anregungen gewinnen, welche weiteren speziellen Gegenstände für einen Linkshänder im jeweiligen Fall sinnvoll sind (Musikinstrumente, Sportgeräte, Computerzubehör etc.).


Auf jeden Fall sollte man auch bei der Anschaffung von Haushaltsgeräten auf beidseitige Verwendbarkeit Wert legen, vor allem wenn in einem Haushalt rechts- und linkshändige Familienmitglieder zusammenleben. Beispiele für solche derzeit erhältlichen Artikel sind Bügeleisen oder Wasserkocher (Füllskala beidseitig ablesbar). Bei diesen Geräten sollte die Stromzufuhr von hinten und nicht von der Seite erfolgen, so dass das Kabel beim Arbeiten nicht immer im Weg ist.

Achten Sie beim Einkauf auf Symmetrie des Produktes. Wenn ein Gegenstand als "ergonomisch" angepriesen wird, ist damit meistens leider auch gleich klar, dass dieser nicht für einen Linkshänder zu gebrauchen ist!

Weitere Hinweise finden Sie in der Sparte Tipps.

 

Lehrpläne im Fach Deutsch für Grundschüler in Deutschland

Durch die in den letzten Jahrzehnten gesammelten Erkenntnisse über die vielen möglichen negativen Folgen einer Zwangsumschulung wird die Linkshändigkeit von Grundschülern, sofern sie erkannt wird (!), meistens toleriert.

Allerdings ist leider festzustellen, dass Pädagogen in ihrer Ausbildung trotzdem bislang keine oder meist nur völlig unzureichende Informationen vermittelt bekommen, wie sie denn Linkshänder am besten unterrichten. Durch dieses fehlende Wissen können Pädagogen linkshändige Kinder auch heutzutage sehr häufig nicht oder nur unzureichend unterstützen: Linkshänder erfahren wenig oder gar falsche Anleitung beim Erlernen des Schreibens, auch im Sport-, Handarbeits- und Werkunterricht wird Linkshändigkeit meist nicht adäquat berücksichtigt.

Auch sehen die derzeit gültigen Lehrpläne der einzelnen Bundesländer bislang keine, unzureichende und teilweise noch haarsträubende Empfehlungen für die Erziehung linkshändiger Kinder vor. Einige krasse Beispiele in Auszügen:

    Hessen: "Erst wenn die Kinder mit der Linken genauso geläufig wie die Rechtshänder schreiben, kann man den Versuch machen, sie allmählich zum rechtshändigen Schreiben hinzuführen..."

    Saarland: "Kinder, die die linke Hand bevorzugen, sollten genau beobachtet und auf die Vorteile der Rechtshändigkeit hingewiesen werden..."

Die Situation für Grundschüler stellt sich somit vielfach folgendermaßen dar, dass Linkshänder zwar meist toleriert werden, manchmal müssen sie aber auch eine ausgesprochene Hartnäckigkeit bzw. "ausgeprägte" Dominanz zeigen, damit man sie mit links schreiben lässt und nicht in "guter Absicht" versucht, ihnen das rechte Händchen anzupreisen. In den allermeisten Fällen können sie aber, wie oben geschildert, nicht damit rechnen, eine adäquate Anleitung, wie man am besten mit links schreibt, zu erhalten: Man lässt die linkshändigen Kinder lediglich gewähren und letztendlich allein zu"recht"kommen.

Allen Pädagogen und Eltern linkshändiger Kinder kann das Buch von J. B. Sattler: "Das linkshändige Kind in der Grundschule" [hier versandkostenfrei zu bestellen] daher nur wärmstens empfohlen werden.

Für Lehrer ist auch der Schreibunterlagenblock für Linkshänder [hier versandkostenfrei zu bestellen] selbiger Autorin, welcher 20 Exemplare der Schreibunterlage enthält, sinnvoll.

Alternativ kann man bei LAFÜLIKI  (Geschäfte und Versandhandel) feste Schreibunterlagen beziehen. Diese sind hier auch in einer Größe erhältlich, welche die Verwendung auf normalen Schultischen erleichtert. 

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Dank Frau Dr. Sattlers beispiellosen Engagements hat das Bundesland
Bayern seit 2001 einen absolut vorbildlichen Lehrplan für Grundschüler , bei dem auch die Belange der Linkshänder detailliert berücksichtigt werden. So sollte er überall aussehen, mal sehen, wann auch die übrigen Bundesländer dem Vorbild folgen. (-;
 
 

Waldorfpädagogik und Linkshändigkeit

Eltern, die erwägen, ihren Sprössling einen Waldorfkindergarten oder eine Waldorfschule besuchen zu lassen, sollten wissen:

Man muss dort besonders damit rechnen, dass linkshändige Kinder gemäß der Lehre Rudolf Steiners ("Anthroposophie") zum Schreiben auf rechts umgeschult werden könnten.

Nach Steiners Lehre hat Linkshändigkeit nämlich "karmische Ursachen", sei eine "karmische Schwäche",
die immer, zumindest bis zum 9. Lebensjahr des Kindes, "korrigiert" werden sollte!

Kaum zu glauben, aber:
Linkshändigkeit entsteht nach anthroposophischer Lehre nämlich im vorherigen Leben des Betroffenen, eigentlichen Rechtshänders, als Folge von körperlicher, intellektueller und spiritueller Überarbeitung. Somit seien Linkshänder in Wirklichkeit wiedergeborene, im Vorleben überlastete Rechtshänder!

Näheres zu dieser Thematik finden Sie im Internet, leider nur in englischer Sprache, bei  http://www.bobnancy.com/waldorf/lefthand.html
 
 

Schreibenlernen

Mit 5 oder 6 Jahren können viele Kinder schon ihren Namen schreiben und zeigen viel Interesse, das Schreiben zu erlernen. Bevor sie sich eine falsche Schreibhaltung angewöhnen, ist es daher schon in diesem Alter sinnvoll, ihnen vorsichtig und möglichst in spielerischer Form die richtige Schreibhaltung zu zeigen. Dies ist gerade bei linkshändigen Kindern wichtig, da unsere Schreibrichtung nun mal von links nach rechts ausgerichtet ist und Linkshänder deshalb bei falscher Schreibhaltung das eben Geschriebene nicht sehen können sowie beim Schreiben mit Tinte oft die Buchstaben verwischen. Um dieses zu vermeiden, kommt es dann leicht zu verkrampften und ermüdenden Schreibhaltungen wie der Hakenhaltung, bei der die linke Hand über der Zeile zu liegen kommt, die Hand nach innen gedreht und von oben her geschrieben wird. Außerdem neigen viele Linkshänder anfangs zu Buchstabenumkehrung oder sogar zu totaler Spiegelschrift, da sie instinktiv von rechts nach links wahrnehmen und schreiben.

Eine linkshändige Schreibhaltung, die die oben geschilderten Probleme umgeht, sieht folgendermaßen aus (Abb. entnommen aus Meyer, 1997):

Das Papier bzw. Heft sollte etwas links von der Mitte vor dem Kind liegen und im Uhrzeigersinn leicht nach rechts gedreht sein (ca. 30 Grad). Der Stift wird locker mit leichtem Zangengriff zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten, wobei er am Mittelfinger nur anliegen sollte und die Hand unterhalb der Zeile liegt. Wichtig ist ferner, dass das Schreibgerät nicht zu weit unten (etwa 2 cm vom Stiftende entfernt) gefasst und so gehalten wird, dass das obere Stiftende in Richtung über den linken Unterarm nach außen weist. Dabei fixiert die rechte Hand das Papier am rechten Rand jeweils etwa auf Schreibhöhe und schiebt das Papier weiter nach links, wenn das Kind in die Nähe des Zeilenendes kommt. Wenn die Kinder Schwierigkeiten haben, stets am linken Zeilenanfang mit dem Schreiben zu beginnen, kann man anfangs auch diesen Punkt auf jeder Zeile mit einem Kreuzchen markieren.

Sofern das Kind allein am Schreibtisch sitzt, sollte es nicht in der Mitte, sondern eher etwas weiter rechts sitzen, so dass ausreichend Platz zum Schreiben auf der linken Seite zur Verfügung steht. Der Lichteinfall sollte von rechts erfolgen, was gegebenenfalls durch eine Sitzmöbelumstellung zu ermöglichen ist. Da dies nicht immer möglich ist und die meisten Klassenzimmer so eingerichtet sind, dass der Lichteinfall von links erfolgt, sollten Linkshänder wenigstens in der Nähe der Fenster sitzen können. Sitzen in der Schule 2 Kinder nebeneinander am Tisch, sollte ein linkshändiges Kind stets an der linken Seite des Schreibpultes platziert werden, damit seine Schreibhand nicht mit der eines neben ihm sitzenden Rechtshänders kollidiert.


Tipps:

  • Sehr empfehlenswert sind die folgenden Bücher von J. B. Sattler:

    "Übungsheft für Linkshänder" sowie "Übungen für Linkshänder" (Literatur), wovon letzteres auch 1 Exemplar der Schreibunterlage für Linkshänder enthält. Diese kann auf die Tischplatte aufgeklebt werden, die oben erläuterte Heft- bzw. Schreibpapierposition ist darauf eingezeichnet.



 



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Letzte Bearbeitung: 30.01.2004


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